Unter-Emmentaler vom 28.02.2013

Der grosse Folientunnel im Neuhus, in dem knackiger Nüsslisalat wächst: Walter und Rösli Käser (rechts), Kathrin und Thomas Hirschi-Käser mit den Kindern Sarina, Joel (rechts) und Joshua.
Bild: eag
 
 
 
 
Im Neuhus pflanzt die zweite Generation Gemüse

 

Schweikhof, Weier i.E. - Vor zehn Jahren machten Rösli und Walter Käser ihr Hobby, den Gemüseanbau, zum Haupterwerb. Nun sind sie im Rentenalter und haben ihren kleinen, schmucken Landwirtschaftsbetrieb ihrer Tochter Kathrin und deren Mann Thomas Hirschi übergeben. Die junge Familie will Altbewährtes weiterführen, aber auch Neues wagen und einen Hofladen eröffnen.

Zwischen Weier und Häusernmoos liegt der Schweikhof, genauer gesagt, das Neuhus. An diesem Nachmittag bläst die Bise kalt durch die kahlen Äste der Apfelbäumchen und fegt über die Beerenanlage hinweg. Schnee deckt die Felder zu; die Erde scheint erstarrt zu sein. Doch etwas oberhalb des stattlichen Bauernhauses stehen sechs grosse von Schnee fast zugewehten Folientunnels – voll mit knackigem Nüsslisalat. Während des ganzen Winters würden sie alle 14 Tage getopften Nüssler setzen, erklärt Thomas Hirschi und blickt im grössten Tunnel über die langen, schnurgeraden Reihen. «Nüssler gilt im Winter als eine Delikatesse und ist sehr begehrt», freut er sich. Zusammen mit seiner Frau Kathrin führt der 35-Jährige seit Anfang dieses Jahres den kleinen, feinen Gemüsebetrieb im Emmental.

 

Den Schritt nie bereut

«Wir sind glücklich, dass nun die jüngere Generation weiterfährt», sagen Rösli und Walter Käser am grossen Tisch in der warmen Bauernküche. Dass sie heute Gemüsebauer seien, habe vor 17 Jahren angefangen, erzählt Rösli Käser. Damals hat sie nämlich zusammen mit 14 anderen Landfrauen den heutigen Gemüsemarkt in Affoltern ins Leben gerufen. «Inzwischen jedoch sind wir nur noch drei Familien, die für den Wochenmarkt Gemüse liefern.» Als die Käsers 2003 die Milchproduktion aufgaben, machten sie ihr Hobby, den Gemüse- und Beerenanbau, zum Haupterwerb. «Obwohl die Umstellung nicht frei von Risiken war, haben wir diesen Schritt nie bereut», sagen sie rückblickend. Das grosse Geschäft freilich hätten sie damit nicht machen können. Doch das hat sie wenig gekümmert. Rösli und Walter Käser sind auch heute noch motiviert bei der Arbeit und freuen sich, nun den Jungen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Auf den 460 Aren landwirtschaftlicher Nutzfläche im Neuhus werden 80 Aren Gemüse, davon rund 10 im Tunnel angebaut, ausserdem 15 Aren Erdbeeren, 7 Aren Strauchbeeren und je 80 Aren Kartoffeln und Futtergetreide. Von rund 30 Bäumen kann Obst geerntet werden. Die Rauhfutterfläche bewirtschaftet ein benachbarter Betrieb.

 

Ökologisch produzieren

Thomas Hirschi erklärt: Hier im Neuhus würden sie auch künftig ökologisch produzieren – den Konsumenten und der Umwelt zuliebe. Doch das sei sehr aufwändig und vom Pflanzen bis hin zur Ernte Handarbeit. Sie seien auf die Mithilfe der Schwiegereltern angewiesen, betont der ausgebildete Landwirt und Landmaschinenmechaniker. Denn ihnen fehle noch die Erfahrung im heiklen Gemüseanbau, und ausserdem arbeite er zusätzlich zu 80 Prozent als Abteilungsleiter in der Behindertenwerkstätte Oberburg. Er freut sich aber darauf, nach der kopflastigen Arbeit, jeweils am Abend eine Weile draussen zu werken, «um den Kopf zu leeren und abschalten zu können.» 

 

Freuen auf den Hofladen

Kathrin und Thomas Hirschi wollen Altbewährtes weiterführen: Den Verkauf ab Hof ebenso wie den Wochenmarkt in Affoltern. «Und dass wir weiterhin namhafte Gastbetriebe im Raum Sumiswald und Affoltern beliefern können, freut uns besonders», sagen sie. Gerade bei der Gastronomie können sie mit ihrer Devise: «frisch, gesund und gut» punkten. Denn der Salat, den sie am Morgen ernten, kann am Mittag bereits auf dem Teller der Gäste sein. Tomaten und Erdbeeren können zudem gut ausreifen, weil sie keine langen Transportwege bis zum Abnehmer haben und daher nicht zu früh gepflückt werden müssen. «Aber auch beim Gemüseanbau ist Stehenbleiben ein Rückschritt», betont der junge Gemüsebauer. Deshalb sind nun alle gespannt, wie sich der neue Hofladen entwickeln wird. Kathrin Hirschi hat schon viele Ideen, was sie alles selbst herstellen und im Laden anbieten könnte: gedörrte Apfelringe und Bohnen, Sirup in allen möglichen Geschmacksrichtungen, Eingemachtes und viele andere Köstlichkeiten mehr. Der ausgebildeten Pflegefachfrau fehlt es nicht an Kreativität. Unterschiedlich interessiert am künftigen Lädeli sind hingegen die drei Kinder: Die siebenjährige Sarina will gleich ein eigenes – «mit Tomaten und vielen Blumen!» Derweil Joshua (6) findet, er helfe schon lieber dem Papa. Und der vierjährige Joel verrät strahlend, dass ihm die Zwerggeissli am liebsten seien, und ausserdem hätten sie ja auch noch Schweine.

 

Kopfsalat und Kohlrabi

Hirschis und Käsers pflegen den Kontakt zu den Kunden. So müsse ab und an ein Kaffeeschwatz drin liegen, betont die junge herzliche Frau. «Aber auch Zeit zu haben, für uns und die Kinder, muss sein», ergänzt ihr Mann. In diesen Tagen zügelt die Familie vom Stöckli ins Bauernhaus, und Rösli und Walter Käser ziehen ins Stöckli. Doch schon am nächsten Tag werden sie gemeinsam in einem der grossen, von Schnee noch fast zugewehten Tunnel den ersten Kopfsalat und die ersten Kohlrabi setzen.

Elsbeth Anliker